Fed to the Rescue

Die amerikanische Notenbank wird diesen Mittwoch die Zinsen erstmals seit über 10 Jahren senken. Was danach erwartet werden kann, zeigen uns die letzten beiden "ersten" Zinssenkungen.

 

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Am morgigen Mittwoch um 20:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird die amerikanische Notenbank (Fed) das Ergebnis ihrer 2-tägigen Beratung mittels Pressemitteilung und anschliessender Pressekonferenz kommunizieren. Der im Dezember 2015 begonnen Zinszyklus, der den Leitzins (Fed Funds Rate) von historisch tiefen 0% auf nur 2.5% anhob, dürfte dann zu einem jähen Ende kommen. Es könnte ein historischer Tag für die Finanzmärkte und deren Akteure werden. Denn in der näheren Vergangenheit läutete die erste Zinssenkung nach einer Phase gleichbleibender Zinsen stets das Ende des Wirtschaftszyklus ein. Mit gravierenden Folgen für die Wirtschaft und die Aktienmärkte.

Den ersten Fall, den ich hier näher beschreiben will, ereignete sich vor fast 20 Jahren während und nach dem Platzen der Technologieblase in den USA. Um die sich abschwächende Wirtschaft zu stützen wurde damals nach einer rund 8-monatigen Phase, während derer der Leitzins (blaue Linie) unverändert blieb, dieser Anfang Januar 2001 um ganze 50 Basispunkte von 6.5% auf 6% gesenkt (erster grüner Kreis). Die Börsen reagierten anfänglich positiv. Der wirtschaftliche Abschwung konnte jedoch nicht mehr abgewendet werden und es folgte kurz danach eine Rezession, die von März bis Oktober desselben Jahres andauerte. In den folgenden 2 Jahren senkte das Fed die Leitzinsen sukzessive auf 1%, um den sich immer weiter verschärfenden Abschwung doch noch abzuwenden. Die Aktienmärkte aber nahmen die gesamte Entwicklung vorweg und nachdem sie bereits im März 2000 ihr Allzeithoch erreichten, verlor der S&P 500 danach rund 51% seines Wertes. Noch schlimmer kam es für Aktien im Technologiesektor. Dort hatte sich die eigentliche Blase der Dotcom-Ära gebildet und deren Aktienindex Nasdaq verlor von seinem Hoch im März 2000 bis zu seinem Tief im Oktober 2002 über 85% seines Wertes.


 

Die Zinsen blieben danach für 1 Jahr auf den historisch tiefen 1%. Dies legte das Fundament für die nächste Blase, deren Platzen die schwerste Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression zur Folge haben sollte. Im zweiten Fall war der Ablauf dabei sehr ähnlich wie im ersten: gegen Ende des Wirtschaftszyklus im Jahr 2007 verharrten die Leitzinsen zunächst während 12 Monaten auf dem gleichen Niveau von 5.25%. Als sich die Probleme im Hypothekarmarkt immer weiter akzentuierten, senkte das Fed Anfang August 2007 die Zinsen um 25 Basispunkte von 5.25% auf 5% (zweiter grüner Kreis). Auch damals konnte der Abschwung nicht abgewendet werden und die Börsen brachen nach einer kurzen Erholung weltweit massiv ein. Das Bankensystem musste mit hunderten Milliarden gerettet werden, um den totalen Kollaps zu verhindern. Trotz der massiven Senkung der Leitzinsen auf das neue historische Tief von 0% verlor der S&P 500 rund 57% seines Wertes.

Und damit wären wir im Hier und Jetzt angelangt. Heute befinden wir uns in einer 7-monatigen Zinspause, die voraussichtlich diesen Mittwoch zu Ende gehen wird. Dann nämlich wird das Fed den Leitzins erwartungsgemäss vom bereits tiefen Niveau von 2.5% um 25 Basispunkte auf 2.25% senken. Die Notenbank wird bemüht sein zu betonen, dass es sich dabei lediglich um eine Absicherung (Insurance Cut) handeln wird, um die sich in den letzten Monaten rapide verschlechternden Wirtschaft zu stützen und wieder auf Trab zu bringen.

Dabei scheint sie sich nicht bewusst zu sein, dass sie nicht nur viel zu spät handelt, sondern die genau gleichen Fehler der Vergangenheit immer wieder von Neuem wiederholt: zuerst werden mit zu billigem Geld die Vermögenspreise (heute nicht nur bei Technologieaktien oder Häuserpreisen, sondern überall) auf nicht nachhaltige Niveaus getrieben und dann wird anschliessend verzweifelt versucht, das Platzen dieser Vermögenspreisblasen mit noch mehr billigem Geld zu verhindern. Good Luck with that!

Es könnte morgen also zu einem historischen Tag für die Markakteure werden. Ob der Ablauf in den kommenden Monaten und Jahren aber ähnlich sein wird wie in den beiden vergangen Fällen, muss sich erst noch zeigen. Geschichte wiederholt sich bekanntlich zwar nicht, aber sie reimt sich zuweilen.

Es grüsst Sie herzlich

 

 

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