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Südafrika: Simbabwe reloaded?

Die Wirtschaftspolitik Südafrikas gleicht immer stärker jener Simbabwes Anfang der 2000er Jahre. Wird die Richtung beibehalten, wird die Währung und somit die gesamte Wirtschaft kollabieren.

 

  • Wirtschaftspolitische Entwicklungen können oft antizipiert und finanziell ausgenutzt werden.
  • Die heutige Politik in Südafrika ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich ein Land wirtschaftlich ruinieren kann.
  • Aus Anlegersicht gilt es, solche Situationen kühl zu analysieren und für sich finanziell zu nutzen.

 

 

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Politische Börsen haben kurze Beine lautet eine landläufige Börsenweisheit. Gemeint ist damit, dass sich politische Ereignisse nur kurz auf die Märkte auswirken und oft sogar den gegenteiligen erwarteten Effekt auf die Notierungen haben.

Nicht so verhält es sich, wenn Politiker die vorherrschende Wirtschaftspolitik mit einschneidenden Massnahmen grundlegend zu ändern versuchen. Diese können positiv sein (wie beispielsweise in Argentinien), häufiger aber sind sie negativ, wie aktuell an den Beispielen der USA und vor allem der Türkei beobachtet werden kann. Aus Investorensicht kann eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik äusserst interessant sein. Dies zum einen, da die Ankündigungen naturgemäss öffentlich gemacht werden und so genau analysiert und entsprechende Handlungsanweisungen abgeleitet werden können. Zum anderen leiden Politiker oft an einer massiven Selbstüberschätzung was ihre Einflussmöglichkeiten betrifft und sie verfügen oft über nur sehr geringe oder wie im Falle des türkischen Präsidenten über keine wirtschaftliche Fachkenntnis.

Diese Kombination aus transparenter Kommunikation und fehlender Wirtschafts-kompetenz bietet  Anlegern und Spekulanten immer wieder sehr attraktive Möglichkeiten zur Aufbesserung der eigenen finanziellen Verhältnisse. Ein aktueller solcher Fall, der in den Medien wenn nur am Rande erwähnt wird, ist Südafrika.

Die Wirtschaft Südafrikas ist seit dem Ende der Apartheid im Jahr 1994 von 140 Milliarden US Dollar auf über 400 Milliarden US Dollar im Jahr 2011 stark gewachsen.1 Südafrika ist der am stärksten industrialisierte Staat Afrikas und verfügt über den fortschrittlichsten Finanzsektor des Kontinents. Das Land ist jedoch stark abhängig vom Rohstoffsektor und den damit verbundenen Industrien. Als im Jahr 2011 der globale Rohstoffboom ein jähes Ende fand, wurde die südafrikanische Volkswirtschaft hart getroffen und das BIP schrumpfte bis ins Jahr 2016 um fast 30% auf unter 300 Milliarden US Dollar. Seither hat sich die Wirtschaft wieder etwas erholt aber die Wachstumsraten bleiben gerade für ein Emerging Market äusserst bescheiden. Die letzten offiziellen Zahlen für das erste Quartal 2018 wiesen sogar eine Kontraktion der Wirtschaft von -2.2%2 auf und die Arbeitslosigkeit ist mit über 25% so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr.3

Die Gründe hierfür sind vielfältig aber meiner Meinung nach zu einem grossen Teil in der Politik zu verorten. Gerade die letzte Regierung unter Jacob Zuma hat zu einem enormen Anstieg der Korruption und der Vetternwirtschaft geführt, die einhergingen mit immer stärker werdenden Tendenzen zu staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wächst stetig an und damit auch die Anfälligkeit für populistische und wirtschaftsfeindliche Massnahmen. Eine sehr radikale solche Massnahme wurde diese Woche von der Regierenden ANC Partei beschlossen: diese will die Verfassung dahingehend ändern, dass die überwiegend weissen Farmer ohne finanzielle Entschädigung enteignet werden können.4 Mit der Landreform kopiert Südafrika die Politik, die in Zimbabwe Anfang der Jahrtausendwende verfolgt wurde und das Land innerhalb weniger Jahre wirtschaftlich völlig ruinierte. Damals wurden ebenfalls weisse Farmer ohne Entschädigung enteignet um das Land anschliessend neu verteilen zu können. Leider fehlte es den neuen Besitzern oft an den nötigen Fähigkeiten, das Land sinnvoll zu bewirtschaften und Simbabwe wandelte sich von der Kornkammer Afrikas zu einem Armenhaus, dessen Bewohner vom World Food Programm der UNO ernährt werden mussten. Die Regierung unter dem mittlerweile abgewählten Robert Mugabe versuchte, den wirtschaftlichen Verfall damit zu bekämpfen, indem sie anfing einfach Geld zu drucken (grüne Linie). Die Folge war eine gewaltige Hyperinflation (rote Linie), die die Währung samt der gesamten Volkswirtschaft zerstörte:

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Wie könnte sich angesichts der anstehenden Landreform ein ähnlicher wirtschaftlicher Niedergang in Südafrika abspielen? Zunächst glaube ich, dass sich die Wirtschaftspolitik nicht zum Besseren wenden wird, da die Regierungspartei ANC von noch viel radikaleren Kräften - namentlich den linksradikalen und offen rassistischen Economic Freedom Fighters - geradezu dazu gezwungen wird, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten.

Wie erwähnt, hat die Wirtschaft im ersten Quartal 2018 bereits begonnen zu schrumpfen. Nicht überraschend ist dabei, dass der Abschwung vom Agrarsektor angetrieben wird, der um 24% schrumpfte. Der stärkste Rückgang seit 12 Jahren! Am zweitschlechtesten schnitt der Minensektor mit –10% ab.5

Weitere Gefahren drohen vor allem aus dem Finanzsektor. Wie die folgende Grafik zeigt, haben die südafrikanischen Farmer bis zum Jahr 2016 einen Schuldenberg von 144 Milliarden Rand (10 Mrd. USD) angehäuft:

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Das ausgeliehene Geld werden die Banken zu einem grossen Teil abschreiben müssen, wenn die weissen Farmer ihr Land verlieren. Wenn die Banken dadurch in Schieflage geraten, müsste wiederrum der Staat einspringen und diese retten. Die Schulden würden also vom Privatsektor zum Staat verschoben, was sich negativ auf dessen Bonität auswirken wird. Das Rating für südafrikanische Staatsanleihen ist in den vergangenen Jahren bereits stetig gesunken und liegt heute je nach Ratingagentur knapp über oder knapp unter Investment Grade.6 Weiter hat sich der Staat mit über 180 Milliarden in US Dollar im Ausland verschuldet7 und weist hier unter den Emerging Markets eine der höchsten Wachstumsraten auf (mehr dazu für Newsletter-Abonnenten in den Charts of the Week).8 Der südafrikanische Rand hat wie die Währungen diverser Emerging Markets in den vergangenen Monaten bereits stark gelitten und die anhaltende Dollarstärke lässt die Schuldenlast der Staaten, die sich in den vergangen Jahren immer mehr in US Dollar verschuldet haben immer schwerer wiegen.

Bei Südafrika ist man also mit einer perfekten Mischung aus politischer Inkompetenz und schlechten Wirtschaftsaussichten konfrontiert. Ich denke, dass irgendwann der Punkt erreicht wird, wo diese Lasten nicht mehr tragbar werden und die Regierung dazu hinübergehen könnte, analog zu Simbabwe die Geldmenge massiv auszuweiten und damit die Wirtschaft zu ruinieren.

Ich würde dies natürlich sehr traurig und schade finden. Südafrika ist nicht nur ein wunderschönes Land, sondern wurde auch immer als Musterschüler und Vorbild für den gesamten afrikanischen Kontinent betrachtet. All dies droht über die nächsten Jahre verloren zu gehen.

Aus Sicht eines Anlegers jedoch bin ich mir bewusst, dass die Entwicklungen in Südafrika nun einmal so sind wie sie sind und ich diese leider nicht beeinflussen kann. Hier gilt es die Situation klar und objektiv zu betrachten und das aus finanzieller Sicht Beste für mich und meine Kunden herauszuholen.

Es grüsst Sie herzlich

 

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Quellen:

1 World Bank 2statsaa.gov.za 3Bloomberg 4BBC 5The South African 6Stanlib 7Tradingeconomics 8JPM

 


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