Wieviel Luft ist noch in der Rally?

Die amerikanischen Märkte erklimmen neue Allzeithochs während Europa und die Schwellenländer hinterherhinken. Diese Lücke wird in die eine oder andere Richtung geschlossen werden. Nur in welche?

 

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Amerikanische Technologieaktien hatten bereits Mitte April neue Allzeithochs erreicht. Der breite Markt folgte dann letzte Woche als der S&P 500 sein Hoch vom Herbst letzten Jahres egalisierte. Beide Indices haben seit dem Abverkauf an Weihnachten eine phänomenale Rally von 33% (Nasdaq) bzw. 25% (S&P 500) hingelegt und nichts scheint einem weiteren positiven Verlauf im Wege zu stehen.

Investierte Markteilnehmer sollten sich jedoch vor einer allzu grossen Leichtsinnigkeit in Acht nehmen und sich stattdessen auf die kurz– und mittelfristigen Risiken konzentrieren. Diese liegen, um es direkt auf den Punkt zu bringen, bei historisch hohen Bewertungen, divergierenden Kursentwicklungen sowie einer schwachen Marktbreite bei einer gleichzeitig stark zunehmenden Sorglosigkeit der Anleger.

Nachdem wie erwähnt amerikanische Aktien neue Höchststände erreicht haben, befinden wir uns wieder auf Bewertungsniveaus (oder haben diese bereits überschritten), wie wir sie in den vergangenen 100 Jahren nur im Jahr 1929 und 2000 gesehen haben (war da nicht was?).

Nicht alle Märkte konnten bisher neue Höchststände erreichen. Europa und die Schwellenländer hinken weiter hinterher und in den USA zeigen sich v.a. die Aktien kleinerer Unternehmen (SME) eher schwach:

 

 

 

Konnten diese im vergangenen Jahr im Vergleich zum breiten S&P 500 (violette Linie) noch von den Steuererleichterungen und besonders vom Handelsstreit mit China profitieren, liegt der amerikanische Russel 2000 (orange Linie) immer noch rund 8.6% unter den Höchstständen vom Oktober 2018.

Aber auch diejenigen Indices, die neue Allzeithochs gemacht haben zeigen, dass die Performance nicht breit abgestützt ist. So erreichten beispielsweise im Technologieindex Nasdaq mehr Unternehmen neue 52-Wochen Tiefs als Hochs, obwohl der Index insgesamt einen neuen Höchststand erreicht hat:

 

 

Um ein komplettes Bild zu bekommen und die Frage nach der noch vorhanden Luft nach oben beantworten zu können, will ich abschliessend die Stimmungslage (Sentiment) der Anleger aufgreifen. Dies kann beispielsweise an der erwarteten Volatilität „gemessen“ werden. Ist diese tief, erwarten die Anleger in naher Zukunft keine grossen Kursschwankungen. Ist diese sehr tief (wie Ende 2017, im Herbst 2018 und heute) zeugt dies von einer grossen Sorglosigkeit der Anleger. Diese können über Futures auf eine fallende Volatilität spekulieren und haben hier über die vergangenen Monate die grösste je gemessene Shortposition (blaue Balken) aufgebaut. Wie der unten stehende Chart zeigt, dienten grosse Shortpositionen im VIX als äusserst guter Kontraindikator im Vorfeld der letzten zwei Markkorrekturen:

 

 

 

In einem meiner letzten Newsletter habe ich darauf hingewiesen, dass die Wall Street Analysten reihenweise ihre Gewinnerwartungen für das erste Quartal hinuntergesetzt haben (blaue Linie). Das Gewinnwachstum der Unternehmen, die bereits ihre Zahlen präsentierten (230 von 498), spiegeln dies wider. Lag das Gewinnwachstum im vierten Quartal 2018 noch bei soliden 12%, werden es im ersten Quartal 2019 nur noch etwa 2% sein. Der schwächste Wert seit dem zweiten Quartal 2016. Gleichzeitig aber haben dieselben Analysten ihre Kursziele (rote Linie) weit nach oben geschraubt (schliesslich müssen die Aktien ja dem Anleger schmackhaft gemacht werden). Diese Divergenz muss früher oder später entweder durch tiefere Kurse oder höhere Gewinne geschlossen werden. Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten und der exorbitanten Bewertungsniveaus sehe ich nicht, wie dies durch Letzteres geschehen soll.

 

 

 

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